Kein Vergeben – Kein Vergessen

Es ist wieder #poetrysunday. Jede Woche präsentiere ich an dieser Stelle ein Gedicht, das mich tief bewegt hat. In dieser Woche sind es gleich zwei. Und in beiden geht es um das rassistische Attentat von Hanau, bei dem am 19. Februar 2020 neun unserer Mitmenschen ums Leben kamen.

Die Namen der Opfer

Ferhat Unvar
Hamza Kurtović
Said Nesar Hashemi
Vili Viorel Păun
Mercedes Kierpacz
Kaloyan Velkov
Fatih Saraçoğlu
Sedat Gürbüz
Gökhan Gültekin

Wir stehen vor den Scherben ihres Lebens und sind sprachlos. Zwei Poet:innen haben Worte gefunden, die so stark sind, dass Jede:r sie kennen und hören sollte. Yasmin Darian und Caner Doğan haben den Schmerz nach Hanau mit Gedichten verarbeitet.

Eure Sprache

ändert sich

zu einer Haltung

zu einem Mund

zu einem Menschen

aus „Hanau – Kein Vergeben, kein Vergessen“ von Yasmin Darian

Die Texte sind 2020 in der Literaturzeitschrift Literarische Diverse erschienen. Ich durfte sie mit Einverständnis der Autor:innen und der Herausgeberin Yasemin Altınay lesen.

Initiative 19. Februar Hanau

In Hanau, am Ort des Geschehens, hat sich nach dem Attentat die Initiative 19. Februar Hanau gegründet. Die Überlebenden und Hinterbliebenen der Opfer haben sich auf Mahnwachen, Kundgebungen und Beerdigungen ein Versprechen gegeben: Dass die Namen der Opfer nicht vergessen werden. Dass es nicht bei folgenloser Betroffenheit bleibt.

Die Initiative schafft einen Raum des Vertrauens. Die Teilnehmer:innen wollen politische Solidarität und Sichtbarkeit. Sie stehen für eine Gesellschaft der Vielen. An dieser Stelle sei der Initiative für die Bilder gedankt, die im Video verwendet wurden.

#saytheirnames – Sagt Ihre Namen

Eine wichtige Forderung der Initiative 19. Februar Hanau lautet, die Namen der Opfer nicht zu vergessen, sie laut zu sagen, sie richtig auszusprechen. Sagt die Namen der Opfer. Sagt sie richtig. Erinnert an die Menschen, die bei rassistischen Attentaten, Übergriffen, Anschlägen ums Leben kamen. Erinnert nicht, weil es gerade opportun ist oder jede:r auf Instagram etwas dazu postet. Steht auf und macht den Mund auf, in der Familie, unter Freunden, im Alltag. Erkennt Rassismen, hinterfragt das eigene Handeln und die eigenen Privilegien, kommt mit anderen Menschen ins Gespräch und engagiert Euch vor Ort.

Es gibt viele verschiedene Einrichtungen, Organisationen und Initiativen, wie die Amadeo Antonio Stiftung oder die Bildungsstätte Anne Frank, die beraten, aufklären, empowern. Steht auf. Macht aufmerksam. Redet miteinander. Empowert Euch, denn Rassismus tötet.