Lied der Mutter

Weißt du noch, wo wir saßen? Auf der Bank hinterm Haus. Dort wo die wilden Weiden blüh’n, und die Wolken im Winter glüh’n. Auf der Ukulele klingen die Seiten, wie kleine Spatzen, die sich streiten. Bienen flirren durch die Nacht. Auf dem Platz steht ein Soldat aus Gold. Er fragt, ob du nicht singen magst.…

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Zuhause ist ein sprachloser Ort

Wenn ich nach Hause fahre, verliere ich meine Sprache. Das ist ganz normal. Je näher ich dem Ort meiner Jugend rücke, desto mehr sind Realität und Zeit entrückt. Ich fahre nach Hause und ich verliere. Zuhause ist ein sprachloser Ort. Als wüsste ich, was Sprache bedeutet. Ich sage nichts, nichts von Bedeutung. Ich nicke und…

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Herbstallüren

Hier schwindet nun das letzte Licht | Tiefes grau mischt sich ins gelb | Die Welt leidet an Farbenüberdruss | Wo die Winde starten, fliegt ein Kuss. Sucht im Dämmerlicht nach roten Lippen | Die leuchten durch das grau in grau | Wie ein Turm hoch über Klippen | Durch die Lichterschau. Ich bin dein…

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Frieden?

Du hast nun wirklich von der Kulturpraxis gehört, dieser sich häufig an öffentlichen Verkehrsknotenpunkten abspielenden Handlung des Hebens des rechten Arms unter schallendem Gelächter? Zumeist werden in diesem Zusammenhang parolenartige Wortfetzen reproduziert. Wortfetzen, die eine Abneigung gegen explizite Teile der Gesellschaft zum Ausdruck bringen sollen. Parolenartige Wortfetzen, die aufgrund ihrer Brisanz gewählt werden und verletzen…

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Federn im August

ich sitz im Augustmit Federn bestückttief traurig leicht lachendrupft ein kleines Kindmir jede Feder aus ich sitz im Augustverliere Federnund bin mit jedem Schluckdes bitteren Weinsnackt und nackter unter all dem Kleidsoll ich entblößenwas ich mühsam nurverkleidet hab ich soll mich zeigenhier im Augustgelöst von jeder Feder was ich Haut nenneist euch Verkleidungund das Kind…

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Auf freiliegender Haut

Ich habe die Frage der freiliegenden Haut insgeheim betrachtet. Perlen auf reinem blau. Ich dachte an zarte weiße Streifen, an Orte, die die Sonne nicht berührt. Jenseits von jedem, hinter den Tagen. Wenn sich alles um dich herum abzukühlen gedenkt, wenn deine Haut nach Sonnenhaut riecht. Die Laken werden dünner, wie die Nächte auf dem…

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Calau

In Calau liegt ein Hund begraben, seine Knochen wachsen aus dem Staub in Calau soll man Trauer tragen wie überall in diesen Landen auch. In Calau wurden einst die Leichen voller Würde aus dem Haus getragen in Calau liefen die Armen wie die Reichen in düstren Zügen hinterm Totenwagen. Golden rollten seine Räder die Toten…

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Mutterhaut

Ich bin aus einer Haut geboren, habe mich geschält, ich bin aus deiner Haut geboren, Mutter. Nackt stand ich da, habe mich geschämt. Meine nebelgrauen Augen waren stumm, stumm noch für ein paar Tage. Nackt, schambefleckt, beäugt im ersten Licht, den Tränen nah. Ich bin ich in diese Zeit geboren. Sie haben mich gezählt, Mutter,…

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