Der Künstler ist dabei, sein Werk zu verkaufen

Ich habe gesehen, wie sich
Augen mit Tränen füllen
ich habe gesehen, wie
Papierscheine immer
und immer wieder
gezählt werden

Der Künstler ist dabei,
sein Werk zu verkaufen
der Händler feilscht
der Händler drückt
den Preis und nicht
den Künstler

Der Künstler rechnet,
als wäre die Kunst zu
rechnen seine eigentliche
Kunst und so sehe
ich, wie sich die
Augen des Künstlers
mit Tränen füllen

Ja, mag der eine
oder andere sagen,
der Schmerz des Abschieds
wiegt schwer, so
als würde der Künstler
seine Seele in die
Hände des Händlers
geben

Als wäre der Verlust
des Werkes die eigentliche
Schande und die Kunst
allein für die Augen
des Künstlers
bestimmt

Der Händler zählt
laut und reibt
sich die Hände
der Künstler weint
und zählt noch einmal
nach, er legt die
wenigen Scheine
als kleine Stapel
auf seinen Tisch
er ruft den Kellner
der bringt das Glas
halbleer mit Wein
der Händler verabschiedet
sich mit „jederzeit wieder!“

Wie die Tür sich schließt
so öffnet sie sich
ein Mann tritt ein
„einen großen
Schnaps, bitte“
der größte Stapel
des Geldes wandert
in seine Taschen „nächsten
Monat aber früher“
den Schnaps trinkt
er schnell und
wirft dem Kellner
eine große Münze zu
„der Rest ist für dich!“

Eine Frau tritt ins
Geschehen, sie ruft „einen
Cognac bitte“ und greift
nach dem zweitgrößten
Stapel, „denk an die
Kinder und der geht auf
dich“ ruft sie bevor
das Glas leer ist

Ein Mann betritt den
Raum und sagt
„für mich nichts“
der Künstler sagt
„nun gib ihm schon,
was er will“ und er
trinkt das halbe Glas
Wein leer „du bist der
Beste, aber was
ich brauch ist
ein wenig Geld,
du hast doch was
verkauft, kannst
du mir nichts geben?“
der Künstler reicht ihm
den vorletzten Stapel
„der war fürs Essen
bestimmt, aber
was brauchen wir
schon, Luft und Wein,
den Kuss der Geliebten“

So kommen und
gehen sie
der Kellner sagt
„jeden Tag sitzt
du mir die Polster
platt, vom halben
Glas kann ich kaum
leben, niemand will
dich sehen, alle
meiden dein
hässliches Gesicht,
doch an diesen Tagen,
wenn der Händler
mit vollen Taschen
kommt, dann
bist du mir der
liebste Gast“
er greift den letzten
Stapel vom klebrigen
Tisch des Künstlers
„dann stehen sie
alle Schlange“ der
Kellner zählt „nicht
genug, aber immerhin
ein bisschen“