Ein Traum von Blau

Wie immer bleibt die Nacht dunkel. Ich hätte nur einen Schatten gebraucht, einen verborgenen Lichtkegel, der die Richtung weist. Nichts dergleichen. Ich habe versucht, mir die Etage zu merken, die feinen Schwankungen, die der Fahrstuhl beim Passieren der einzelnen Türen machen musste. Vielleicht waren es zu viele. Stille kriecht langsam in meine Ohren. Ich versuche…

Weiterlesen

Frieden?

Du hast nun wirklich von der Kulturpraxis gehört, dieser sich häufig an öffentlichen Verkehrsknotenpunkten abspielenden Handlung des Hebens des rechten Arms unter schallendem Gelächter? Zumeist werden in diesem Zusammenhang parolenartige Wortfetzen reproduziert. Wortfetzen, die eine Abneigung gegen explizite Teile der Gesellschaft zum Ausdruck bringen sollen. Parolenartige Wortfetzen, die aufgrund ihrer Brisanz gewählt werden und verletzen…

Weiterlesen

Federn im August

ich sitz im Augustmit Federn bestückttief traurig leicht lachendrupft ein kleines Kindmir jede Feder aus ich sitz im Augustverliere Federnund bin mit jedem Schluckdes bitteren Weinsnackt und nackter unter all dem Kleidsoll ich entblößenwas ich mühsam nurverkleidet hab ich soll mich zeigenhier im Augustgelöst von jeder Feder was ich Haut nenneist euch Verkleidungund das Kind…

Weiterlesen

Mutterhaut

Ich bin aus einer Haut geboren, habe mich geschält, ich bin aus deiner Haut geboren, Mutter. Nackt stand ich da, habe mich geschämt. Meine nebelgrauen Augen waren stumm, stumm noch für ein paar Tage. Nackt, schambefleckt, beäugt im ersten Licht, den Tränen nah. Ich bin ich in diese Zeit geboren. Sie haben mich gezählt, Mutter,…

Weiterlesen

Der Künstler ist dabei, sein Werk zu verkaufen

Ich habe gesehen, wie sich Augen mit Tränen füllen ich habe gesehen, wie Papierscheine immer und immer wieder gezählt werden Der Künstler ist dabei, sein Werk zu verkaufen der Händler feilscht der Händler drückt den Preis und nichtden Künstler Der Künstler rechnet, als wäre die Kunst zu rechnen seine eigentliche Kunst und so sehe ich,…

Weiterlesen

Die Illusion zweier Trugbilder tragen mich davon

»Schreiben bedeutet, die eigenen Überzeugungen zu widerlegen.« Karos Taha auf @goetheinstitut_marseille Es gibt Tage, an denen es mir leicht fällt, meine eigenen Überzeugungen zu widerlegen. An manch anderen Tagen bin ich überzeugt, dass es keine Überzeugungen geben kann, dass jede Überzeugung nur eine Illusion zwischen den Menschen ist und die Menschen selbst nur Trugbilder meines…

Weiterlesen

Die alte Stadt

Ich fahre durch Straßen, die eher Schluchten gleichen. Häuser aus Bergen gerissen, ohne Fenster, ohne Luft. Das ewige Draußen, es bleibt ein Gleichnis. Drinnen leben Stimmen. Sie reden, gegen Wände. Dummheit schlägt mir ins Gesicht. Als würden Wände reden. Nur eine Öffnung. Sie brauchen Luft! Draußen brennen die Straßen. Menschen singen in schwarzer Kluft. Ich…

Weiterlesen

Scheidungspapiere

Ich bin gelassen, viel zu unaufgeregt stehe ich vor deiner Tür. Mein Finger liegt lang auf deinem Namen. Was soll ich sagen? Wie soll ich erklären, dass ich nur noch an die Liebe glaube, wenn du nicht da bist? Du hast die Türklingel abgestellt. Dein Versuch die Welt draußen zu lassen. Aber ich gehöre zu…

Weiterlesen