Der Rabe

Der Rabe singt vom Korkenzieherbaum
er ist ein Windflüchter
ein Sturmvogel
ein Nackter unter dem Gefieder

Der Rabe setzt sich bei Nacht
auf deinen Arm
du spürst die Krallen
im Fleisch
auf den Knochen

Der Rabe lockt dir jedes
Geheimnis hervor
aus fremden Zeiten
mit fremden Zungen

Der Kopf des Raben liegt
auf deiner Brust
wie meine Hand
auf meinen Schenkeln
an kühlen Sommertagen

Wenn der Rabe schwebt
über Dünen
auf der Suche
nach Frühjahrsstürmen

Leckt der Rabe das Salz
von deiner Haut
den Wein
von deinen Lippen
Tropfen für Tropfen

Seine Krallen
zerschneiden Haut und Fleisch
zwischen den Schichten
liegen wir vielleicht

Und so langsam
der Rabe zieht die Klauen fester
der Wein schwirrt
durch unsere Adern
als würde er
seine Wirkung beschleunigen
um sie schlussendlich
zu verlieren

Der Rabe singt vom Korkenzieherbaum
und du erwachst
von aus einem Traum
die Arme tropfen
vom Blut und Wein
und ich bin nackt
unter dem Gefieder