Lied der Mutter

Weißt du noch, wo wir saßen? Auf der Bank hinterm Haus. Dort wo die wilden Weiden blüh’n, und die Wolken im Winter glüh’n. Auf der Ukulele klingen die Seiten, wie kleine Spatzen, die sich streiten. Bienen flirren durch die Nacht. Auf dem Platz steht ein Soldat aus Gold. Er fragt, ob du nicht singen magst.…

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Zuhause ist ein sprachloser Ort

Wenn ich nach Hause fahre, verliere ich meine Sprache. Das ist ganz normal. Je näher ich dem Ort meiner Jugend rücke, desto mehr sind Realität und Zeit entrückt. Ich fahre nach Hause und ich verliere. Zuhause ist ein sprachloser Ort. Als wüsste ich, was Sprache bedeutet. Ich sage nichts, nichts von Bedeutung. Ich nicke und…

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Herbstallüren

Hier schwindet nun das letzte Licht | Tiefes grau mischt sich ins gelb | Die Welt leidet an Farbenüberdruss | Wo die Winde starten, fliegt ein Kuss. Sucht im Dämmerlicht nach roten Lippen | Die leuchten durch das grau in grau | Wie ein Turm hoch über Klippen | Durch die Lichterschau. Ich bin dein…

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Ein Traum von Blau

Wie immer bleibt die Nacht dunkel. Ich hätte nur einen Schatten gebraucht, einen verborgenen Lichtkegel, der die Richtung weist. Nichts dergleichen. Ich habe versucht, mir die Etage zu merken, die feinen Schwankungen, die der Fahrstuhl beim Passieren der einzelnen Türen machen musste. Vielleicht waren es zu viele. Stille kriecht langsam in meine Ohren. Ich versuche…

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Frieden?

Du hast nun wirklich von der Kulturpraxis gehört, dieser sich häufig an öffentlichen Verkehrsknotenpunkten abspielenden Handlung des Hebens des rechten Arms unter schallendem Gelächter? Zumeist werden in diesem Zusammenhang parolenartige Wortfetzen reproduziert. Wortfetzen, die eine Abneigung gegen explizite Teile der Gesellschaft zum Ausdruck bringen sollen. Parolenartige Wortfetzen, die aufgrund ihrer Brisanz gewählt werden und verletzen…

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Auf freiliegender Haut

Ich habe die Frage der freiliegenden Haut insgeheim betrachtet. Perlen auf reinem blau. Ich dachte an zarte weiße Streifen, an Orte, die die Sonne nicht berührt. Jenseits von jedem, hinter den Tagen. Wenn sich alles um dich herum abzukühlen gedenkt, wenn deine Haut nach Sonnenhaut riecht. Die Laken werden dünner, wie die Nächte auf dem…

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Die alte Stadt

Ich fahre durch Straßen, die eher Schluchten gleichen. Häuser aus Bergen gerissen, ohne Fenster, ohne Luft. Das ewige Draußen, es bleibt ein Gleichnis. Drinnen leben Stimmen. Sie reden, gegen Wände. Dummheit schlägt mir ins Gesicht. Als würden Wände reden. Nur eine Öffnung. Sie brauchen Luft! Draußen brennen die Straßen. Menschen singen in schwarzer Kluft. Ich…

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